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Workshop Modul 7

Detailausbildungen bei Dächern mit Abdichtungen Brandschutz · Anschlüsse · Abschlüsse · Barrierefreie Übergänge · Abdichtungslücken

„Der Teufel steckt im Detail“ – kaum eine Redensart trifft das Bauwesen so präzise wie diese.
Schadensfreie, funktionssichere und dauerhaft beständige Abdichtungen entstehen nur dann, wenn Planung, Materialauswahl und Ausführung bis ins Detail zwischen allen Baubeteiligten aufeinander abgestimmt sind.

Gerade für Sachverständige im Dachdeckerhandwerk stellen Detailausbildungen an Flachdächern eine besondere Herausforderung bei der Inaugenscheinnahme und der Bewertung dar. Häufige Schadensursachen sind überwiegend nicht im Flächenbereich, sondern meist an Anschlüssen, Abschlüssen, Durchdringungen und Übergängen, insbesondere bei Sonderkonstruktionen von barrierefreien Ausführungen, zu finden.

Ein zentrales und besonders prüfungsrelevantes Themenfeld für angehende Sachverständige im Dachdeckerhandwerk ist der bauliche Brandschutz von Flachdächern bei Sanierungen im Bestand. Grundlage jeder fachgerechten Bewertung bildet die sichere Kenntnis der Gebäudeklassen (GK 1–5) gemäß den jeweiligen Landesbauordnungen. Die Einordnung eines Gebäudes in die zutreffende Gebäudeklasse ist entscheidend für die anzuwendenden brandschutztechnischen Anforderungen an Dachaufbauten, Trenn- und Brandwände sowie an Durchdringungen und Anschlüsse.

Sachverständige müssen in der Lage sein, die Abhängigkeit der brandschutzrechtlichen Anforderungen von der Gebäudeklasse zu erkennen und korrekt zu beurteilen. Insbesondere bei Flachdächern ergeben sich Unterschiede hinsichtlich:

  • der Anforderungen an die harte Bedachung,
  • der Ausbildung von Brand- und Gebäudeabschlusswänden,
  • sowie der zulässigen Dachaufbauten und Materialien.

Der Nachweis der harten Bedachung kann dabei nach nationalen Regelwerken (DIN 4102) oder nach europäischen Prüfverfahren (TS 1187 in Verbindung mit DIN EN 13501-5) erfolgen. In der Praxis werden häufig Systemaufbauten eingesetzt, deren brandschutztechnische Eigenschaften geprüft und dokumentiert sind. Der Sachverständige muss diese Nachweise fachlich einordnen, ihre Anwendbarkeit prüfen und Abweichungen erkennen können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Abweichungen von bauordnungsrechtlichen Anforderungen. Architektonische, konstruktive oder nutzungsbedingte Besonderheiten führen insbesondere bei Flachdächern regelmäßig dazu, dass standardisierte Lösungen nicht vollständig eingehalten werden können. In diesen Fällen sind Abweichungsanträge nach den Landesbauordnungen möglich, sofern das Schutzziel des Brandschutzes auf andere Weise gleichwertig erfüllt wird.

Der Sachverständige übernimmt hierbei eine beratende Rolle in den Planungsprozessen von z.B. Sanierungsvorhaben. Auf der Grundlage seiner Expertise muss er u.a. Impulse für planerische, brandschutztechnische Prüfungen und Nachweise setzen sowie Hinweise zu Möglichkeiten eines Abweichungsantrages geben.

Besondere Bedeutung kommt dabei den Gebäudeklassen 1 bis 3 zu, da hier häufig vereinfachte Brandschutzkonzepte zur Anwendung kommen, gleichzeitig aber auch typische Ausführungsfehler bei Dachdetails auftreten.

Bei großflächigen Dächern mit Tragschalen aus Stahltrapezprofilen sind zusätzlich die Anforderungen der Industriebaurichtlinie (DIN 18234) zu berücksichtigen, insbesondere hinsichtlich der Brandweiterleitung, des Schmelzverhaltens von Abdichtungen und der Ausbildung von Brandabschnitten.

Der Workshop vermittelt praxisnah, wie Gebäudeklassen sicher bestimmt, brandschutztechnische Anforderungen korrekt abgeleitet und Abweichungsanträge fachlich fundiert bewertet und begleitet werden können – eine Kernkompetenz für angehende Sachverständige im Dachdeckerhandwerk.

Parallel dazu gewinnt das barrierefreie Bauen zunehmend an Bedeutung – nicht nur im öffentlichen, sondern auch im privaten Bereich. Architektonische Trends, wie z.B. die Bauweisen mit Staffelgeschossen und umlaufenden Dachterrassen führen immer häufiger zu Abweichungen von bewährten Standardanschlusshöhen, was das Schadensrisiko von Dachkonstruktionen deutlich erhöht.

Niedrigschwellige und barrierefreie Übergänge sind hier der Standard des Bauherrenwunsches. In der Realität fehlt es aber sowohl an der Koordination zwischen Planern, Fenster-/Türherstellern und Dachdeckern als auch an bewährten, funktionssicheren Systembauweisen.

Der Sachverständige ist hier gefordert, Risiken zu erkennen, Sonderlösungen fachlich zu bewerten, Haftungsfragen einzuordnen und sichere Ausführungen zu begleiten.

Der Workshop vermittelt praxisnahes Fachwissen, typische Schadensbilder, normative Anforderungen sowie Argumentationshilfen für Gutachten, Abweichungsanträge und Bedenkenanmeldungen.

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Inhalte

  • Rechtliche Grundlagen des Brandschutzes nach Landesbauordnungen
  • Einordnung von Gebäuden nach Gebäudeklassen (GK 1–5)
  • Zentrale Begriffsdefinitionen:
    • Harte Bedachung
    • Baustoffklassen
    • Feuerwiderstandsklassen
    • Trennwand, Gebäudeabschlusswand, Brandwand
  • Nachweis der harten Bedachung:
    • DIN 4102
    • TS 1187
    • DIN EN 13501-5
  • Systemaufbauten als Nachweisinstrument
  • Konstruktive Ausführungsbeispiele:
    • Brandwände
    • Durchdringungen und Anschlüsse
  • Anforderungen an Flachdächer in den Gebäudeklassen 1–3 sowie 4 und 5
    • Ausführungsanforderungen bei Sanierungen im Gebäudebestand
    • Typische Abweichungen
    • Lösungsansätze für Abweichungsanträge
  • Großflächige Dächer:
    • Industriebaurichtlinie
    • DIN 18234 (Stahltrapezprofile, Durchbrände, Schmelzverhalten)
  • Planungsgrundlagen und Anforderungen an Standardkonstruktionen
  • Anschlüsse und Abschlüsse:
    • Sockel
    • Attiken
    • Türanschlüsse
  • Türanschlüsse mit reduzierten Anschlusshöhen
  • Sonderkonstruktionen:
    • Abweichungen von den anerkannten Regeln der Technik
    • Bewertung aus Sachverständigensicht
  • Barrierefreie Übergänge nach DIN 18040
  • Tür-Schwellenkonstruktionen für barrierefreie Übergänge
  • Neue ZVDH-Planungshilfen für barrierefreie Übergänge bei Dachterrassen und Balkonen (08/2020)
  • Typische Ursachen von Abdichtungslücken bei Türanschlüssen
  • Schadensfolgen:
    • Feuchteschäden
    • Nutzungseinschränkungen
    • Folgeschäden an angrenzenden Bauteilen
  • Planungsparameter zur Beurteilung von:
    • Niederschlagsbeanspruchung
    • Spritzwasser
    • Nutzungseinwirkungen
  • Risikomatrix zur Bewertung barrierefreier Übergänge
  • Haftungsverteilung:
    • Planungshaftung
    • Ausführende Gewerke
  • Hinweispflichten und Bedenkenanmeldung bei Sonderkonstruktionen
  • Argumentationshilfen für Gutachten und Stellungnahmen

Ihr Referent

Jürgen Gerbens, Dachdeckermeister, öbuv Sachverständiger im Dachdeckerhandwerk und Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Ihr Referent

Jürgen Gerbens, Dachdeckermeister, öbuv Sachverständiger im Dachdeckerhandwerk und Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Zielgruppe

Handwerksmeister*innen, Projektleiter*innen und technische Fachkräfte im Dachdeckerhandwerk,

  • die sich auf eine Sachverständigenprüfung vorbereiten oder
  • ihr bauvertragliches und technisches Fachwissen gezielt aktualisieren möchten

Ihr Mehrwert

  • Sicherheit in der Bestimmung der Gebäudeklassen
    Sie lernen, Gebäude gemäß Landesbauordnungen den Gebäudeklassen GK 1–5 korrekt zuzuordnen und daraus die zutreffenden brandschutztechnischen Anforderungen sicher abzuleiten.
  • Rechtssichere Bewertung von Brandschutzanforderungen
    Sie verstehen die Zusammenhänge zwischen Gebäudeklasse, harter Bedachung, Brandwänden und Dachaufbauten und beurteilen diese fachlich fundiert und normensicher.
  • Fachgerechte Einordnung brandschutztechnischer Nachweise
    Sie prüfen Nachweise nach DIN 4102, DIN EN 13501-5 und DIN 18234 strukturiert und bewerten deren Anwendbarkeit im konkreten Projektzusammenhang sachverständig.
  • Risikobewusstsein bei Sanierungen im Bestand
    Sie erkennen typische brandschutztechnische und konstruktive Abweichungen bei Flachdächern im Bestand und leiten daraus belastbare sowie praxisgerechte Handlungsempfehlungen ab.
  • Fachkundige Begleitung von Abweichungsanträgen
    Sie bewerten bauordnungsrechtliche Abweichungen systematisch und unterstützen Planungsprozesse mit fundierten, schutzzielorientierten Lösungsansätzen.
  • Systematische Analyse kritischer Dachdetails
    Sie untersuchen Anschlüsse, Abschlüsse, Durchdringungen und Übergänge methodisch und identifizieren schadensanfällige Detailausbildungen frühzeitig.
  • Professionelle Bewertung barrierefreier Übergänge
    Sie setzen die Anforderungen der DIN 18040 fachgerecht um und beurteilen reduzierte Anschlusshöhen sowie Sonderkonstruktionen sachverständig und regelkonform.
  • Reduzierung von Haftungsrisiken
    Sie ordnen Haftungsverteilungen zwischen Planung und Ausführung klar ein, erkennen Hinweispflichten rechtzeitig und formulieren Bedenkenanmeldungen nachvollziehbar und rechtssicher.
  • Argumentationssicherheit in Gutachten und Stellungnahmen
    Sie erhalten praxisnahe Argumentationshilfen, um Bewertungen, Gutachten und fachliche Stellungnahmen strukturiert, schlüssig und rechtlich belastbar zu formulieren.
  • Stärkung Ihrer fachlichen Positionierung als Sachverständiger
    Sie erweitern Ihre Kernkompetenzen im baulichen Brandschutz und in der Detailbewertung von Flachdächern und stärken damit nachhaltig Ihre fachliche Autorität im Markt.

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