meindachgutachter

Workshop Modul 5

Fachtechnische Grundlagen und gutachterliche Bewertung des Sollzustandes von Steildachdeckungen – Regelwerke, Normen, Herstellung und Mängelbeurteilung

1. Schulungstag – Sollzustand ermitteln und darstellen, Fachtechnik Dachziegel und Dachsteine, Ermittlung von Minderwerten

Ausgehend von den vertraglichen Vereinbarungen zwischen Kläger und Beklagtem bzw. Antragsteller und Antragsgegner hat der Sachverständige im Handwerk die Aufgabe, die ausgeführten Bauleistungen nicht nur im Hinblick auf den festgestellten Ist-Zustand zu bewerten, sondern diese auch mit der geschuldeten Sollleistung abzugleichen. 

Maßgeblich sind hierbei sowohl die vertraglich vereinbarten Leistungen als auch die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen.

Bei eindeutig beschriebenen Leistungen kann die Prüfung anhand des Leistungsverzeichnisses vergleichsweise klar erfolgen. Ist die Beschaffenheit des Werkes hingegen nur allgemein oder unvollständig geregelt, muss der Sachverständige beurteilen, ob die Ausführung dem entspricht, was der Auftraggeber nach der Art des Werkes erwarten durfte. Darüber hinaus ist zu bewerten, ob sich die Bauleistung für die gewöhnliche Verwendung eignet und ob sie den üblichen technischen Standards entspricht.

Zur fachlichen Begründung seiner Feststellungen bedient sich der Sachverständige neben Gesetzen und Verordnungen insbesondere der bauaufsichtlich eingeführten DIN-Normen sowie der allgemein anerkannten Regeln der Technik. Anhand geeigneter Quellenauszüge aus gesetzlichen Vorschriften und technischen Regelwerken beschreibt er den Sollzustand der strittigen Leistungen nachvollziehbar und in allgemein verständlicher Sprache.

Ein erster technisch-fachlicher Schwerpunkt des Workshops liegt auf den Steildachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen. Die Vermittlung des erforderlichen Fachwissens beginnt mit der systematischen Einführung in das Fachregelwerk des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Nach der Klärung grundlegender Begriffe, Konstruktionsarten und technischer Eigenschaften der Deckelemente werden insbesondere Regeldachneigungen sowie erforderliche Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit vertieft behandelt. Anhand eines praxisnahen Fallbeispiels erarbeiten die Teilnehmer die maßgeblichen technischen Anforderungen des Regelwerkes und deren Anwendung in der gutachterlichen Praxis.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beurteilung der optischen Qualität von Dachflächen. Hierbei werden zunächst die maßgeblichen Betrachtungsabstände thematisiert, die für eine fachlich richtige Bewertung von Dachdeckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen heranzuziehen sind. Nur unter Berücksichtigung dieser Betrachtungsabstände lassen sich optische Abweichungen sachgerecht einordnen und von technisch relevanten Mängeln abgrenzen.

Darauf aufbauend wird die Bewertung optischer Mängel systematisch erläutert. Anhand der Matrix nach Oswald lernen die Teilnehmer ein anerkanntes Hilfsmittel kennen, mit dem optische Unregel-mäßigkeiten objektiv eingeordnet und nachvollziehbar bewertet werden können. Ziel ist es, subjektive Eindrücke zu vermeiden und zu einer fachlich begründeten und gerichtsfesten Beurteilung zu gelangen.

Sofern optische Mängel zu einer wirtschaftlichen Beeinträchtigung des Bauwerks führen, wird im Anschluss die Minderwertermittlung behandelt. Dabei wird insbesondere das Zielbaumverfahren nach Aurnhammer vorgestellt, mit dem der Minderwert strukturiert, transparent und nachvollziehbar hergeleitet werden kann. Ergänzend wird der Begriff des merkantilen Minderwertes erläutert und dessen Bedeutung für die gutachterliche Bewertung im Dachdeckerhandwerk eingeordnet.

2. Schulungstag – Technische Produktkenntnisse Dachziegel und Dachsteine
Der zweite Schulungstag ist der Vertiefung der technischen Produktkenntnisse zu Dachziegeln und Dachsteinen gewidmet. Ein technischer Experte aus der Ziegelindustrie vermittelt den Teilnehmern praxisnahe Einblicke in die herstellungsbedingten Eigenschaften dieser Produkte und deren Bedeutung für die gutachterliche Beurteilung.

Im Mittelpunkt stehen die einschlägigen Normen und Regelwerke, nach denen Dachziegel und Dachsteine gefertigt, geprüft und klassifiziert werden. Anhand dieser normativen Grundlagen wird erläutert, welche Eigenschaften von den Produkten erfüllt werden müssen, welche produkttypischen Toleranzen zulässig sind und wo die technischen und normativen Grenzen der jeweiligen Werkstoffe liegen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Darstellung typischer herstellungsbedingter Merkmale, Mängel und Einschränkungen. Dabei wird aufgezeigt, welche optischen und technischen Abweichungen produktspezifisch auftreten können und in welchem Umfang diese als zulässig gelten. Die Teilnehmer lernen, herstellungsbedingte Besonderheiten von Ausführungsfehlern oder Schäden zu unterscheiden und diese fachlich korrekt in einem Gutachten einzuordnen.

Ergänzend werden Herstellungsverfahren, Prüfmethoden und Qualitätsanforderungen praxisnah erläutert. Anhand konkreter Beispiele aus der Industriepraxis werden typische Schadensbilder vorgestellt sowie deren Ursachen und Auswirkungen auf Gebrauchstauglichkeit, Dauerhaftigkeit und optische Qualität der Dachdeckung diskutiert.

Um die, in den meisten Ländern bestehende, Solarpflicht für Dächer zu berücksichtigen werden im Verlauf des Workshops praxisgerechte Umsetzungsmöglichkeiten sowie typische Schwachstellen bei der Montage der Solarelemente aufgezeigt-

Ziel ist es, den angehenden Sachverständigen ein vertieftes Verständnis für produktbezogene Zusammenhänge zu vermitteln und sie in die Lage zu versetzen, herstellungsbedingte Eigenschaften sicher und nachvollziehbar zu beurteilen.

89_Sachverstaendige_Soll-Zustand

Inhalte

  • Klärung von Beschaffenheitsvereinbarungen
    • Leistungsverzeichnis
    • Üblichkeit der Ausführung
  • Im Gutachten verwendete Unterlagen
    • Literaturangaben, Form und Struktur von Quellenhinweisen
  • Vereinbarte Abweichungen von den allgemein anerkannten Regeln der Technik durch einzelvertragliche Regelungen
  • Fachbegriffe und komplexe technische Sachverhalte verständlich erläutern
  • Konstruktionsarten: belüftet und unbelüftet
  • Lüftungsquerschnitte für belüftete Dächer und Deckungen
  • Begriffe: Behelfsdeckung, Notabdichtung, Regeldachneigung, Mindestdachneigung
  • Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit
  • Konstruktive Dachziegelarten und deren Besonderheiten
  • Zuordnung von Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit bei Unterschreitung der Regeldachneigung
  • Einteilung von Dachflächen, Deckbilder und Anschnitte
  • Regeldachneigung und Mindestdachneigung
  • Ausführung von Unterdächern, Unterdeckungen und Unterspannungen
  • Detailausbildungen, u. a. Traufe, Anschlüsse und Durchdringungen (z. B. Solaranlagen)
  • Betrachtungsabstände zur Beurteilung von Dachflächen
  • Bewertung optischer Mängel
    • Matrix nach Oswald
  • Minderwertermittlung
    • Zielbaumverfahren nach Aurnhammer
    • merkantiler Minderwert
  • Herstellungsverfahren
  • Qualitätsanforderungen und Prüfverfahren
  • Typische Schadensbilder, Ursachen und Möglichkeiten der Mangelbeseitigung
  • Solarpflicht und Gestaltungsmöglichkeiten bei Deckungen mit Dachziegeln und Dachsteinen
    • Aufdach- und Indachlösungen für photovoltaische und solarthermische Anlagen
  • Auswahl der Haltersysteme und typische Schwachstellen bei der Befestigung der Solarhalter bei Steildachdeckungen

Ihre Referenten

Jürgen Gerbens, DDM, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk, Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Frank Engelmann, Schulungsleiter, Dachziegelwerke Nelskamp GmbH

Ihre Referenten

Jürgen Gerbens, DDM, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk, Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Frank Engelmann, Schulungsleiter, Dachziegelwerke Nelskamp GmbH

Zielgruppe

Handwerksmeister*innen, Projektleiter*innen und technische Fachkräfte im Dachdeckerhandwerk,

  • die sich auf eine Sachverständigenprüfung vorbereiten oder
  • ihr bauvertragliches und technisches Fachwissen gezielt aktualisieren möchten

Ihr Mehrwert

  • Rechtssichere Ermittlung des Soll-Zustandes
    Sie lernen, den geschuldeten Zustand sauber aus Vertrag, Leistungsverzeichnis und technischen Regelwerken abzuleiten – auch bei unklaren oder lückenhaften Vereinbarungen.
  • Sicherheit im Fachregelwerk
    Durch die intensive Arbeit mit dem Regelwerk des :contentReference[oaicite:0]{index=0} wenden Sie die technischen Vorgaben für Steildächer sicher, strukturiert und praxisnah an.
  • Beherrschung der Fachtechnik von Dachziegeln und Dachsteinen
    Regeldachneigung, Zusatzmaßnahmen zur Regensicherheit, Unterdächer und konstruktive Details – Sie wissen, worauf es technisch wirklich ankommt und wie Zusammenhänge fachlich richtig bewertet werden.
  • Klare Unterscheidung zwischen Mangel und zulässiger Toleranz
    Sie erkennen sicher, was herstellungs- oder materialbedingt üblich ist – und was tatsächlich einen Ausführungsfehler oder relevanten Schaden darstellt.
  • Objektive Bewertung optischer Mängel
    Mit der Matrix nach Oswald vermeiden Sie subjektive Einschätzungen und argumentieren nachvollziehbar, strukturiert und fachlich belastbar.
  • Strukturierte und nachvollziehbare Minderwertermittlung
    Mit dem Zielbaumverfahren nach Aurnhammer leiten Sie wirtschaftliche Beeinträchtigungen transparent, methodisch sauber und gerichtsfest her.
  • Überzeugende und klar strukturierte Gutachten
    Sie lernen, Quellen korrekt einzubinden und komplexe technische Sachverhalte verständlich zu formulieren – klar, präzise und argumentativ belastbar.
  • Vertieftes Produktwissen aus erster Hand
    Durch den fachlichen Einblick der :contentReference[oaicite:1]{index=1} verstehen Sie Herstellungsverfahren, Prüfmethoden und produkttypische Besonderheiten deutlich fundierter.
  • Sicherer Umgang mit Solaranlagen auf Steildächern
    Sie erkennen typische Schwachstellen bei Aufdach- und Indachlösungen und bewerten Befestigungssysteme sowie konstruktive Details fachgerecht.
  • Stärkung Ihrer Autorität als Sachverständiger
    Sie treten fachlich fundiert, argumentativ klar und souverän auf – im Ortstermin ebenso wie vor Gericht.

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