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Workshop Modul 4

Ist-Zustand fachgerecht erfassen und darstellen, Einstieg in die Fachtechnik – Regelwerke und Anforderungen an Unterkonstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen

Auf Grundlage einer gerichtlichen oder privaten Beauftragung hat der Sachverständige die ausgeführten und strittigen Bauleistungen anhand der vorliegenden Unterlagen sowie der Feststellungen beim Ortstermin fachlich zu beurteilen. Dabei dürfen die konkreten Fragestellungen des Beweisbeschlusses bzw. des Auftraggebers zu keinem Zeitpunkt aus dem Blick geraten, da nur so ein verwertbares und aussagekräftiges Gutachten erstellt werden kann.

Eine besondere Bedeutung in einem Gutachten kommt der sachgerechten Beschreibung des Ist-Zustandes zu. Für Richter und Auftraggeber ist neben der textlichen Darstellung vor allem eine eindeutige, übersichtlich strukturierte Bilddokumentation von entscheidender Bedeutung. Die Bilder müssen klar zuzuordnen sein und den festgestellten Zustand eindeutig wiedergeben. Dabei ist die Qualität der Bildaufnahmen wesentlich wichtiger als deren Anzahl. Die Fotodokumentation dient dazu, die schriftlichen Ausführungen des Sachverständigen zu ergänzen und komplexe technische Sachverhalte visuell verständlich zu machen. Aussagekräftige Übersichts- und Detailaufnahmen sowie eine allgemeinverständliche Erläuterung der Zusammenhänge erleichtern dem Richter bzw. Auftraggeber den Zugang zum technischen Inhalt des jeweiligen Falls.

Nachfolgend erfolgt der Einstieg in die Auseinandersetzung mit der aktuellen Fachtechnik im Dachdeckerhandwerk mit Einblicken in die Regelwerke für Unterkonstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen. Diese spielen im Dachdeckerhandwerk insbesondere in den Bereichen Dach-Wand- und Abdichtungstechnik eine zentrale Rolle. Abhängig vom jeweiligen Objekt sind der einzusetzende Werkstoff, die Nutzungsklasse sowie die erforderliche Holzgüte fachgerecht zu bestimmen. Tragfähigkeit, Stützweiten, Lastannahmen und Bauteildimensionen sind entscheidend um zu beurteilen, ob ein rechnerischer Tragfähigkeitsnachweis erforderlich wird.

Holzbauteile ohne statischen Nachweis, wie beispielsweise viele Konter- und Traglattenkonstruktionen, können hingegen auf Grundlage handwerklicher Erfahrungswerte ausgeführt werden. Die hierfür maßgeblichen technischen Anforderungen ergeben sich aus den aktuell gültigen Hinweisen für Holz und Holzwerkstoffe, die im Workshop ausführlich erläutert werden.

Abgerundet wird dieser Themenblock durch eine Einführung in die Holzschutzmaßnahmen nach DIN 68800 Teil 1 und 2, die sich mit dem baulichen Holzschutz bei Gebäuden befassen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet hierbei die zunehmend relevante Problematik beidseitig diffusionshemmend geschlossener Dachkonstruktionen in Holzbauweise.

79_Sachverstaendige_Ist-Zustand

Inhalte

  • Bedeutung der Fragen des Beweisbeschlusses bzw. des Auftraggebers
  • Übersichtsplan / geografische Lage des Gebäudes
  • Allgemeine Beschreibung des Gebäudes
  • Fotodokumentation und strukturierte Bildliste
  • Bauteilöffnungen und Detailaufnahmen beim Ortstermin
  • Beschreibung und Erläuterung von Ist-Zuständen anhand von Bilddokumenten
    • Übungen an Praxisbeispielen
  • Begriffsdefinitionen u.a.
    • Tragende Bauteile
    • Tragende Bauteile ohne rechnerischen Nachweis
    • Nichttragende Bauteile
  • Bauaufsichtliche Anforderungen
    • Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen
    • CE-Kennzeichnung
  • Bauholz nach DIN EN 14081-1 und Festigkeitsklassen nach DIN EN 338
  • Bemessung von Vollholz und Holzwerkstoffplatten ohne rechnerischen Nachweis
  • Bedeutung von Nutzungsklassen bei 1Holzwerkstoffen
  • Anforderungen an Bauschnittholz und Holzwerkstoffe
    • Messung der Holzfeuchte
    • Schwind- und Quellmaße
  • Ausführung von Konterlattungen, Traglatten und Schalungen für Dachabdichtungen
  • Verbindungsmittel für Holzbauteile im Dachdeckerhandwerk
    • Dimensionierung und Anzahl der Befestigungen
    • Rand- und Achsabstände
  • Holzschutzmaßnahmen und Gebrauchsklassen
    • Baulicher Holzschutz nach DIN 68800-1 und DIN 68800-2
    • Grundsätzliche und besondere Maßnahmen
  • Problemkreis beidseitig diffusionshemmend geschlossene Bauteile
    • Typische Schadensbilder
    • Ursachenanalyse
    • Sanierungsmöglichkeiten

Ihr Referent

Jürgen Gerbens, Dachdeckermeister, öbuv Sachverständiger im Dachdeckerhandwerk und Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Ihr Referent

Jürgen Gerbens, Dachdeckermeister, öbuv Sachverständiger im Dachdeckerhandwerk und Coach für Unternehmens- und Mitarbeiterentwicklung im Dachdeckerhandwerk

Zielgruppe

Handwerksmeister*innen, Projektleiter*innen und technische Fachkräfte im Dachdeckerhandwerk,

  • die sich auf eine Sachverständigenprüfung vorbereiten oder
  • ihr bauvertragliches und technisches Fachwissen gezielt aktualisieren möchten

Ihr Mehrwert

  • Rechtssicherer Umgang mit Beweisbeschluss und Auftrag
    Sie lernen, die konkreten Fragestellungen eines Gerichts oder privaten Auftraggebers präzise zu erfassen und konsequent einzuhalten – damit Ihr Gutachten klar, zielgerichtet und nicht „am Thema vorbei“ erstellt wird.
  • Professionelle und strukturierte Ist-Zustand-Erfassung
    Sie wissen, wie ein Ist-Zustand fachgerecht dokumentiert und verständlich beschrieben wird, sodass Richter und Auftraggeber die Feststellungen nachvollziehen können – auch ohne handwerklichen Hintergrund.
  • Aussagekräftige Fotodokumentation statt Bilderflut
    Sie lernen, warum Qualität vor Quantität geht und wie Übersichts- und Detailfotos sinnvoll kombiniert, eindeutig zugeordnet und in einer strukturierten Bildliste dokumentiert werden.
  • Souveräner Einstieg in die aktuelle Fachtechnik
    Sie erhalten einen fundierten Überblick über die technischen Regelwerke im Dachdeckerhandwerk, insbesondere zu Unterkonstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen – einem zentralen Bereich der Schadensbewertung.
  • Sicherheit im Umgang mit bauaufsichtlichen Anforderungen
    Sie verstehen die Bedeutung von Muster-Verwaltungsvorschrift, CE-Kennzeichnung und DIN-Normen und können Ihre fachliche Argumentation belastbar und normensicher begründen – nicht nur „aus Erfahrung“.
  • Richtige Beurteilung von Tragfähigkeit und Bemessung
    Sie erkennen, wann ein rechnerischer Tragfähigkeitsnachweis erforderlich ist und wann Erfahrungswerte ausreichen. Zudem lernen Sie, Nutzungsklassen, Lastannahmen und Bauteildimensionen fachgerecht einzuordnen.
  • Kompetenz in Holzfeuchte sowie Schwind- und Quellverhalten
    Sie wissen, wie Holzfeuchte korrekt gemessen und bewertet wird und welche Auswirkungen Schwind- und Quellmaße auf typische Schadensbilder haben können.
  • Fachgerechte Bewertung von Verbindungsmitteln
    Sie können die Dimensionierung, Anzahl der Befestigungen sowie Rand- und Achsabstände sachgerecht beurteilen und fachlich fundiert bewerten.
  • Fundiertes Wissen im baulichen Holzschutz
    Sie erhalten einen strukturierten Einstieg in die Anforderungen des baulichen Holzschutzes und deren praktische Anwendung in der Begutachtung.
  • Sicherheit im Umgang mit diffusionshemmend geschlossenen Dachkonstruktionen
    Sie lernen typische Schadensbilder, Ursachenanalysen und geeignete Sanierungsansätze bei beidseitig diffusionshemmend geschlossenen Konstruktionen systematisch zu erkennen und fachlich einzuordnen.

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